Der katholische Kirchturm hat wieder seinen Gockel

Nach mehr als 40 Jahren hat der Kirchturmgockel auf dem Kreuz der katholischen Kirche wieder seinen Platz gefunden.Als in den 70er Jahren das Kreuz auf der Turmspitze angebrochen war und fast ein Jahr schief auf dem Kirchturm hing, wurde ein Gerüst aufgestellt und das Kreuz konnte geschweißt und wieder angebracht werden. Der Gockel sollte erneuert werden. Bis der aber fertig war, war das Gerüst weg. Man entschloss sich, den Gockel einzulagern, bis wieder ein Gerüst am Kirchturm wegen einer Dachreparatur o.ä. benötigt würde. Die Jahre vergingen, die Kirche bekam inzwischen eine neue Orgel. Da hierfür viel Geld benötigt wurde, ließ man sich einiges einfallen. Es wurden alten Orgelpfeifen verkauft und auf einem Pfarrfest wurde der alte Kirchturmgockel versteigert. Dieses Geld kam der Orgel-Finanzierung zu Gute. Der alte Kirchturmgockel steht heute noch im Garten der damaligen Käuferin. Über die Jahre geriet der neue Gockel in Vergessenheit. Keiner wusste etwas über den Verbleib des Gockels zu sagen. Bei Aufräumarbeiten in diesem Frühjahr wurde er nach 40 Jahren schön verpackt auf dem Speicher im Haus St. Josef gefunden. Die Nachricht ging durch die Pfarrgemeinde: „Der Gockel ist wieder da!“
Der Zufall wollte es, dass der Turm der katholischen Kirche eine neue Blitzschutzanlage bekam, die mit einem Steiger installiert werden sollte. Zwei Mitarbeiter der Dachdeckerfirma von der Au aus Wörrstadt wurden geschickt, um den Gockel wieder auf seinen vorgesehenen Platz zu setzen. Somit hat die katholische Kirche nach vielen, vielen Jahren wieder einen Gockel auf ihrer Kirche. Die Frage nach der Aufgabe des Gockels ist auch gleich beantwortet: Es ist ein Wetterhahn, der sich im Wind dreht, und aus der Richtung in die er schaut kommt der Wind.
Der Hahn der evangelischen Kirche direkt nebenan schaut öfters in eine andere Richtung. Das bedeutet aber nicht, dass sich die beiden Hähne nicht mögen. Der evangelische Kirchturm ist mit 65 Metern ca. 30 Meter höher, als der katholische. Aufgrund dieses Höhenunterschiedes kann die Windrichtung einfach verschieden sein.
Es braucht auch niemand Angst haben, morgens von den krähenden Hähnen geweckt zu werden. Nein, die beiden Hähne krähen nicht und legen auch keine Eier. Die Einzigen, die sie dort oben besuchen, sind die Spatzen. Die lassen sich alles vom Kirchturmgockel erzählen, was im Ort passiert und die Spatzen pfeifen es dann von den Dächern.

Martin Fölix, Ortsbürgermeister

Bild: Martin Fölix