Pater Markert

Franz Markert S.V.D.: „Erlebtes und Erlauschtes“

Der folgende (gekürzte) Reisebericht des Pater Markert wurde seinem Buch „Erlebtes und Erlauschtes (auf einer Reise nach und in Europa) – Eine Reiseplauderei“ (1926) entnommen. Er beschreibt den Besuch Pater Markerts in Saulheim nach 15 Jahren Abwesenheit.

In der Heimat

Ich war also auf dem Wege zur Heimat. Wißt ihr, was das für einen Menschen heißt, der eine lange Reihe von Jahren der Heimat fern gewesen ist? Wer es nicht selbst erfahren hat, wird die Gefühle nicht verstehen, die mich erfüllten, als es dem Abend zuging, der das Ende dieser Fahrt bringen sollte. Das Ende dieser Fahrt sollte die Heimat sein. Wer aber selbst schon einmal aus der Fremde der Heimat zugefahren ist, wird das Folgende zu würdigen wissen.

Vor fünfzehn Jahren hatte ich in einem kurzen Besuch das letztemal die Heimat und die Lieben dort gesehen. Man müßte kein menschliches Herz in der Brust haben, wenn man sich nicht der Stunde freuen wollte, in der man wieder den Fuß auf heimatlichen Boden setzen kann.

Von Leipzig über Frankfurt nach Mainz

Ich hatte mir in Leipzig eine Fahrkarte bis Mainz gelöst. Als ich diese beim Betreten des Bahnsteiges dem dort stehenden Schaffner und Zugführer vorzeigte, schauten diese sich gegenseitig fragend an und frugen mich: „Wo haben Sie denn die Fahrkarte nach Mainz her?“ Ich: „Habe sie in Leipzig gelöst.“ Neues Staunen auf ihren Gesichtern und Frage: „Ja, wissen denn die in Leipzig noch nicht, daß der Mainzer Bahnhof in den Händen der Franzosen ist?“ Und dann kam die für mich wenig erfreuliche Auskunft: „Ne, damit lassen die Franzosen Sie nicht durch.“ Ich dachte, ich probiere. Aufessen werden sie mich nicht. Wenn ich ein recht dummes Gesicht mache und meine Karte von Leipzig vorzeige, wird es schon gehen. Also in den Zug hinein.

Kurz vor der Abfahrt des Zuges kommt der Schaffner in meine Abteilung und sieht sich die Fahrkarten an. Da war ein Frauchen mit mehreren Kindern. Ihre Karte war nicht in Ordnung. Sie hatte eine Karte vierter Klasse. Der Schaffner machte sie darauf aufmerksam. Die Frau behauptete, sie habe eine Karte dritter Klasse verlangt, habe die Karte bezahlt und habe nicht weiter auf ihre Karte gesehen. Sie müsse aber diesen Zug benutzen, um noch nach Flonheim zu kommen. Als der Schaffner, der sonst sehr menschlich und freundlich war, diesen Namen hörte, meinte er: „So, nach Flonheim wollen Sie, kenne ich. Ich bin da aus der Nähe her, ich komme von Nieder-Saulheim.“

Das klang ja wie Musik in meinen Ohren. Nieder-Saulheim war ja mein Heimatort. Sogleich frug ich ihn: „So, von Nieder-Saulheim sind Sie, wer sind Sie denn?“ Zuerst etwas erstaunt ob dieser Frage, gab er zur Antwort: „Mein Name ist Georg Dehof.“ Nun ging es halt weiter: „So, Georg, mich kennst wohl nimmer, ich bin auch aus Nieder-Saulheim.“ Er schaute mich prüfend an, konnte sich aber meiner nicht mehr erinnern, da er mich ja seit fast 25 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Als ich ihm sagte, „Du kennst doch sicher noch Markerts Franz,“ da fiel eine Binde von seinen Augen. Natürlich kannte er mich noch. Damit hatte ich also den ersten Kontakt mit der Heimat hergestellt.

Von Mainz nach Saulheim

Nun trennten mich nur noch zwölf Meilen von der Heimat. Wäre kein Zug mehr an diesem Abend gegangen, ich weiß, ich wäre zu Fuß noch in derselben Nacht dieses letzte Stück Weges gegangen.

Ich suchte mir schließlich eine Abteilung im Zug, die mehr als überfüllt war, meistens von Arbeitern und Stenographistinnen, Ladenmädchen usw. Da merkte ich denn sofort, daß ich zwischen Landsleuten saß. Die rheinische Fröhlichkeit dieses jungen Volkes gepaart mit der Gesprächigkeit des Rheinhessen, stachen ab wie Tag und Nacht von dem zurückhaltenden, viel ruhigeren, verschlosseneren Wesen der Norddeutschen. Da hörte ich zum ersten Male wieder nach fünfzehn Jahren die ureigensten Laute der rheinhessisch-pfälzischen Mundart, in der ich ja selbst meine ersten Worte sprechen gelernt hatte. Ich musterte die Gesichter, ob denn gar keines sich dazwischen fände, das ich noch erkennen würde. Richtig, da saß ein Eisenbahner, den ich zu erkennen glaubte. Und doch zweifelte ich wieder. Beinahe 25 Jahre die Gesichter nicht mehr gesehen zu haben, und dies in einer Zeit, in der die Jugend halt herangewachsen ist, macht es oft schwer, ehemalige Bekannte sogleich wiederzuerkennen.

Wie das in solcher Stimmung geht: der Zug geht einem viel zu langsam. So auch mir. Endlich die vorletzte Station Nieder-Olm. Wenn ich früher da vorbei fuhr, fand ich gewöhnlich Onkel Peter an der Station im Dienst. Hundertmal habe ich als Junge das Fenster geöffnet und ihm zugerufen, denn „Peter-Onkel“ war uns Kindern der liebste von allen Onkeln. Somit war es eigentlich ganz natürlich, daß ich auch diesmal nach ihm Ausschau hielt. Ich hätte ihn doch gerne überrascht mit einem Zuruf nach fünfundzwanzig Jahren. Aber das Glück war mir auch diesmal nicht hold. Kein bekanntes Gesicht an der Bahnstation zu sehen.

Doch mein Ausschauhalten hatte eine andere Wirkung. Ich hatte einige Zeit vorher bemerkt, daß einige der mitreisenden Eisenbahner sich über mich unterhielten, obwohl ich nicht genau verstehen konnte, was sie sagten. Als ich aber beim Einlaufen in den Bahnhof das Fenster öffnete, hörte ich den einen sagen: „Er ist’s, er schaut jetzt nach seinem Onkel aus.“ Sobald ich sah, daß mein Ausschauen vergeblich war, drehte ich mich um, sah mir den Sprecher an und sagte: „Ich glaube, wir kennen uns noch, bist du nicht der Baumgärtners Anton.“ „Aber natürlich, und du Markerts Franz. Hab ich’s doch gleich gesagt.“ Jetzt kam es auch schon von der anderen Seite her: „Kennst du mich noch? Ich bin des Betze Louis.“ Ja, das war der Louis, ein ehemaliger Klassengenosse in der Volksschule. Nun gab’s eine kleine Aufregung in der Abteilung. Händeschütteln, Fragen und Freude. Den anderen Mitreisenden wurde klar gemacht, daß dies ’s Markerts Franz aus Amerika ist. denen aus Nachbardörfern, die den Namen nicht kennen mochten, wurde nachgeholfen: „Polizeidiener Markert sein Sohn.“ Damit war allen geholfen. Man muß sich hierbei in die ganze Lebhaftigkeit des süddeutschen Charakters hineindenken, um einen Begriff zu bekommen, wie lebhaft dieser erste Willkomm nahe der Heimat von sich ging.

 

Endlich in Saulheim!

Endlich Station Nieder-Saulheim. Also die Heimatstation. Von den Angehörigen war niemand zu sehen, da ich unerwartet früh angekommen war. Doch das hatte nichts zu bedeuten. Einige der Eisenbahner packten mein Gepäck, andere liefen voraus und riefen auf der Straße zum Elternhause hinein: „Der Besuch aus Amerika kommt.“ Das alarmierte nicht bloß die Eltern, sondern die ganze Nachbarschaft. Auf halbem Wege kam mir schon die Schwester Gretel entgegen und tat, was in solch einem Falle jede Schwester mit dem Bruder nach fünfzehnjähriger Abwesenheit tut. Auf beiden Seiten der Straße standen schon die Nachbarn und schüttelten die Hand zum Willkomm, aus den Fenstern streckten sie sie heraus und alle freuten sich so herzlich, als gehörte ich zu jedem einzelnen. Da ich sogleich mit dem heimatlichen Dialekte Rede und Antwort stand, war die Brücke von Herz zu Herz noch schneller geschlagen. Und das Herz selbst schlug ja höher bei dem Gedanken, daß die Heimat dem Fortgewanderten so treu geblieben war.

Das Elternhaus

Schließlich kam ich ans Elternhaus, wo Vater und Mutter und Schwestern halt ihr Bestes taten, um zu zeigen, welche Freude die Wiederkehr des Sohnes und Bruders ihnen bereitete. Es ist allerdings schwer zu sagen, ob der Bub sich nicht noch mehr freute. Gottlob fand ich Vater und Mutter trotz der Nähe der siebenzig, trotz der bitter harten Kriegsjahre und den Verlusten von zwei edelsten Söhnen, der Verwundung und langen Krankheit des dritten, trotz der uns unglaublich erscheinenden Entbehrungen der letzten Kriegsjahre und der ersten Friedensjahre noch gesund und munter wieder.

Das Häuschen war noch, wie ich es verlassen, sodaß ich sofort wieder ganz daheim war im vollsten Sinne.

Zum Essen kamen wir an diesem Abend so schnell nicht. Es war doch so viel, so unendlich viel zu erzählen. Und Vater und Mutter und Geschwister mußten doch etwas Gelegenheit haben, sich den Bub wieder einmal ordentlich anzusehen.

Der Herr Dekan schickte schon bald das Mariele her, um auszufinden, wann der Herr Pater morgen früh die heilige Messe lesen wollte. Die Nachbarn stellten sich ein, um den Franz in ihrer einfachen, aber um so herzlicheren Art willkommen zu heißen. Der kleine Georg vom Nachbar gegenüber, der noch nicht geboren war, als ich fortging, und seine Schwester, die Lenchen, an denen beiden der Vater ihres im Kriege weilenden Vaters Stelle für mehrere Jahre vertreten hatte, gehören ohnehin halb zur Familie und so dauerte es nicht lange, daß der Georg sich einstellte, aber erst, nachdem er seine Mutter gebeten hatte, ihm das Gesicht einmal recht sauber zu waschen, da er Markerts Franz besuchen gehen wolle.

So empfing und umfing mich die Heimat. Es war spät an diesem Abend, als ich das Dachstübchen aufsuchte, in dem ich vor vielen Jahren so manchen Zukunftstraum geträumt hatte, der nun schon längst verwirklicht geworden, andere auch wieder, die längst zerstört oder in nichts zerronnen sind.

Die nächsten Tage

Am nächsten Morgen las ich, nicht ohne tiefe Rührung, in der Dorfkirche die heilige Messe. Es war noch das alte traute Kirchlein von ehedem. Und eine ganze Generation war inzwischen schon darin herangewachsen. Und eine große, echt christlich gehaltene Tafel an der Wand, der Kanzel gegenüber, ist inzwischen angebracht worden mit vielen, all zu vielen Namen von den Brüdern und Bekannten, die im Kriege das Wort des Heilandes wahr gemacht: „Eine größere Liebe hat niemand als der, der sein Leben hingibt für seine Freunde.“

Beim Heimweg von der Kirche nahm das Begrüßen und Händeschütteln und Auskunftgeben kein Ende: Dreiviertel unseres Dorfes ist protestantisch, etwa 50 Bewohner sind Juden, etwa 500 Katholiken. Aber Unterschiede dieser Art schienen alle verwischt zu sein, wenn man sah, wie sich das herzliche Gefühl von Heimatgenossen äußerte, einen Sohn der eigenen heimischen Erde nach so langer Abwesenheit wieder zu sehen. Da war der „Hersche Josef“, Israelit, der schon früh am Morgen auf der Straße stand und auspähte, daß er Nachbar Franz doch ja bald zu sehen bekäme. Er hatte sich allerhand Sorgen gemacht, wie er den Franz nun anreden müsse. Schon eine Woche vorher hatte er sich bei meiner Schwester erkundigt und war belehrt worden, daß er keine andere Anrede zu gebrauchen habe als die, die er von der Kinderzeit her gewohnt war. Es ließ ihm aber keine Ruhe und wandte er sich noch an seine Frau um Rat. Sie studierte mit ihm ein, was sie, die mich nicht kannte, weil sie aus einem anderen Dorfe stammt, für die nötige Anrede hielt. Als ich aber den Joseph auf der Straße sah, ließ ich ihm gar keine Zeit, ging auf ihn zu und schmeichelte ihm im Dialekt, daß er immer noch jugendlich aussehe. Dies kam ihm so unerwartet, daß es ihn völlig aus der Fassung brachte und seine ihm von seiner Frau beigebrachte Anrede völlig aus dem Gedächtnis schwand. Er wußte nur noch zu sagen: „Nu, Franz, wie geht’s?“ Es war oft ganz rührend, wie zumal die Nachbarschaft immer wieder Beweise herzlichster Anteilnahme gab. Schon am zweiten Morgen brachte „Bienchen“, die Frau des gegenüberwohnenden Nachbars, ein Sträußchen blühender und duftender Märzveilchen. Sie waren etwas Besonderes, weil sie noch so spät blühten im August, aber deshalb sollte Markerts Franz sie haben.

So waren die ersten Stunden und Tage fast die härtesten, denn die Herzlichkeit und Liebe der Heimat stürmten nur so auf einem ein. Ich ging später mit dem Vater eine weite Strecke ins Feld. Da konnten wir besser erzählen. Aber ständig hieß es, stehen bleiben und alte Bekannte begrüßen. Was wurde ich da nicht alles gefragt, was wurde mir da nicht alles an Kriegsleid geklagt. Ja, die letzten zehn Jahre sind doch unendlich harte Jahre für die Heimat gewesen.

Das Bild der Heimat

Etwas hinter dem Dorf hat man von einer Anhöhe einen weiten Blick in das herrliche rheinhessische Ländchen. Soweit das Auge reicht, fruchtbare Talsenkungen, in denen jeder Fuß Acker auf das sorgfältigste angebaut ist, gleich fruchtbare Hüge, die fast überall mit Wein bepflanzt sind und einen Tropfen gedeihen lassen, dessen Güte vielleicht im Stande wäre, selbst unsere eingefleischtesten Prohibitionsfanatiker zu bekehren.

Ich sog das herrliche Landschaftsbild in vollen Zügen ein. Besonders der Blick tief hinunter bis ins Rheingau ist ganz einzig. Da lagen sie noch alle, die Dörfchen, die hinter und zwischen Hügeln hervorlugten, die alten Türme, teilweise Zwiebeltürme, noch immer da wie vor Jahren, wenn ich abends dem Feierabendglockenklange lauschte, den der Westwind über Hügel und Tal zu uns herübertrug. Dort unten lagen noch die Wiesen in der Pertel, wo ich einmal als Junge mich, auf dem Bauche kriechend, bis acht Fuß an einen Storch herangepirscht hatte. Es war eine meiner größten Enttäuschungen in der Jugend gewesen. So nahe am Ziele, einen Storch fassen und festhalten und womöglich heimbringen zu können, um ihn zu zähmen, nur acht Fuß davon, als der Fröschefänger mich in dem Augenblick bemerkte, als ich mich mit einem Sprunge auf ihn stürzen wollte. Niemals mehr war mir das Storchfangglück so hold gewesen und wie es scheint, kommt es nie wieder. Richtig, dort stand noch an einem Abhange die „Rohrbuscher Eff“, eine vielleicht tausend Jahre alte Ulme, zu der ich als Junge oft mit einer Art Ehrfurcht gegangen bin und das Gefühl hatte, als müßte sie mir erzählen von all dem, was sich in diesen Tälern in all den Jahrhunderten zugetragen, von den Schwedenkriegen bis auf Napoleon. Derlei und hundert andere Erinnerungen stiegen in mir auf, als ich neben dem Vater den Weg herunterschritt. Immer wieder mußte ich das Bild der Heimat in mir aufnehmen, das ja alle die Jahre in mir gegenwärtig geblieben war. Sie kam mir jetzt schöner vor als je zuvor. Und all das Schöne, das ich schon in der weiten Welt gesehen hatte, schien nichts zu sein im Vergleich zu der ganz eigenen Art von Schönheit der Heimat.

In der Gemeinde

Der Herr Dekan, den ich vor dreißig Jahren nur kurz als unseren „Herrn Kaplan“ gekannt hatte, der nun aber mit viel Hingebung und seelsorgerischer Liebe sich der Heimatsgemeinde widmet, tat sogleich vom Anfang an alles, um mir auch als Priester den Aufenthalt in der Heimat angenehm zu machen. Kirche und Pfarrhaus standen mir sozusagen ganz zur Verfügung und das „Pfarrfräulein“, wie die Haushälterin im Volksmund seit alten Tagen heißt, ganz gleich ob auch das „Fräulein“ schon mehr Tage gesehen haben mag als manche Großmutter, wetteiferte mit ihrem „Herrn“ in herzlicher Gastfreundschaft.

Am Sonntag sollte und wollte ich Hochamt und Predigt halten. Ich sage, wollte, weil es mir ein Bedürfnis war, einmal nach so langer Zeit zu denjenigen, in deren Mitte ich aufgewachsen war, nicht bloß als Dorfgenosse, sondern auch als Priester zu reden. Dies um so mehr, als ich seit zwei Menschenaltern der einzige Priester bin, der aus dieser Gemeinde hervorgegangen ist.

Ich muß gestehen, ich habe nicht ohne tiefe Ergriffenheit das Hochamt begonnen und die Predigt gehalten. In diesem, für unsere kleinen Dorfverhältnisse ganz hübschen Kirchlein, hatte sich ja doch mein ebenso wie meiner Altersgenossen frühes geistliches Leben abgespielt. Hier hatte ich die tiefsten Einblicke meiner Erziehung und Jugend bekommen. Hier hatte sich ja für mich als Knaben in den früheren Jahren, bevor ich in die weite Welt kam, die ganze große Welt unseres katholischen Glaubenslebens aufgetan. Tausend Erinnerungen haften an den Altären, vor denen ich als kleiner Bub und Ministrant gekniet.

Die Predigt

So predigte ich denn über das Thema: „Dies ist der Sieg, der die Welt überwindet, unser Glaube.“ Ich erzählte meinen Freunden in der Heimat, wie es mir zu Mute sei, jetzt nach so langer Abwesenheit und Arbeit im Weinberge des Herrn in fremdem Lande wieder mit ihnen an der Stätte zu knien, an der sich mir zuerst die Augen zu öffnen begannen für die Schönheit und Kraft unseres Glaubens, hier, wo ich zum ersten Mal beten durfte: „Ich will hinansteigen zum Altare Gottes, zu Gott, der meine Jugend erfreut.“ Wie ich in den Jahren, da ich fern von ihnen, zumal in den schweren Jahren des Weltkrieges, erfahren mußte, welch schwere Prüfungen über die Heimat ergingen, mich oft fragte: Wie wird es denn in den Zeiten der Not, in den Zeiten des Umsturzes und der Verführung mit dem Glauben in der Heimat stehen, und wie ich zu meiner Freude zumal in dieser bis zum äußersten gefüllten Kirche feststellen könne, daß sie offenbar dem alten Glauben treu geblieben seien. So führte ich denn weiter aus, daß es schließlich immer wieder unser Glaube sein muß, was die Welt überwindet und uns zum Siege über alle äußere Bedrückung und Trübsale verhilft.

Gerade dieser Umstand, daß ich als Priester zu meinen Heimatgenossen reden konnte, und wie ich bestimmt weiß, dies ihnen eine rein persönliche Freude war, einen aus ihrer eigenen Mitte als Priester unter sich zu haben, brachte uns einander viel näher als irgend ein anderes Verhältnis.

Leserbriefe

Von Thomas Thörle, Nieder-Olm
Die Veröffentlichung des Buches über Pater Markert mit dessen Beschreibungen über seinen Besuch in der Heimat ist eine tolle Sache. Es sollte jeder Saulheimer sich darüber freuen, dass der „Missionar des gedruckten Wortes“ sich gerne an seine Saulheimer Gemeinde erinnert. Es wäre toll, wenn einige Lust verspürten vielleicht einmal eine USA-Reise zu starten- mit dem Ziel nach Techny unweit von Chicago zum Wirkungs- und letzlich auch zum Sterbeort dieses großen Saulheimers. Nächstmögliche Begegnung mit Pater Markert und dessen Ordensgemeinschaft den „Steyler Missionaren“ gibt es im August. Aus Anlaß des 20-jährigen Bestehens des Pfarrzentrums „Haus Sankt Josef“ gibt der Steyler Pater, Rüdiger Brunner am 25. und 26.August [2001] Auskunft über den Auftrag seines Missionsordens.

Von Theo Fuchs, Saulheim
Diese Geschichte ist wirklich schön. Meine Mutter war ein Nachbarskind von der Familie Markert. Ich selbst habe seine 3 in Saulheim wohnende Schwestern gut gekannt. Auch den Bruder Johann, welcher ebenfals in Amerika lebte habe ich zwei mal gesehen. Mit der Familie eines in Saulheim lebenden Neffen ( vieleicht sogar Patenkind, Franz Louis) bin ich sehr bekannt. Deshalb war es für mich sehr interesant,da auch die genannten Familiennamen für mich ein Begriff sind. Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht.