Mai 1760, Ortsstraßen verwandelten sich in Ströme, 16 Menschen kamen ums Leben

Am 9. Mai sind 261 Jahre vergangen, seitdem in der Gemarkung und dem Dorf Nieder-Saulheim ein schweres Hagelgewitter niederging.Prof. Johannes Neeb, der frühere Nieder-Saulheimer Bürgermeister, berichtete 1828 darüber, was ihm noch lebende Augenzeugen über das Unwetter zu erzählen wussten.
Der 9. Mai 1760 war für die Nieder-Saulheimer Gemeinde die traurige Veranlassung für einen sogenannten Hagelfeiertag. An diesem schwülen Tag, gegen 14 Uhr, als ein großer Teil der Gemeinde wegen eines Begräbnisses in der Kirche versammelt war, rückte eine verderbliche Gewitterwolke vom westlichen Teil her über das Dorf und entlud seine Wassermassen und lauten Donnerschlägen. Das damals noch vorhandene Zeichen am Perteltor zeigte die Wassermenge 11 Schuhe hoch an.

Ein Bürger, so berichtete Prof. Neeb, habe mit seinem Knecht versucht die Gefache seines Fachwerkhauses einzuschlagen, um den eindringenden Fluten den Durchgang zu erweitern und somit die Scheune vor dem Einsturz zu retten. Das immer höher steigende Wasser zwang jedoch beide dazu, sich auf das Gebälk zu flüchten. Kaum dort angekommen brach über ihnen die Scheune zusammen und riss sie mit in die Fluten. Wie durch ein Wunder blieben sie unverletzt, wurden jedoch mit den Trümmern der Scheune und den schmutzigen, gelben Wogen talabwärts getrieben. Die reißende Gewalt des Stromes hielt sie über Wasser. Der Knecht blieb an einem Strauch hängen, sein Herr gewann den Ast eines Pappelbaumes. Ein daher schwimmender Balken, der sich zwischen zwei Bäume legte, klemmte ihn an dem Baum. Todesgefahr ängstigte den Bauern als sein junger Freund und Nachbar, der Verwalter des Freiherrn von Dienheim, mit zwei Pferden am Ufer des gebildeten Stromes, nach ihm suchte. Als er die Schreie hörte zwang er seine Pferde in das Gewässer, schwamm mit ihnen zu seinem Freund, befreite ihn und setzte ihn auf eines der Pferde. Während der Bürger und sein Knecht mit dem Schrecken davon kamen, starb der Retter, sein Name war Peter Jox, ca. 14 Tage später an einer Lungenentzündung, die er sich bei der Rettungsaktion eingefangen hatte.

Insgesamt kamen an diesem Tag 16 Menschen in den Fluten ums Leben. Augenzeugen zufolge, war es ein Bild des Jammerns. Unvergesslich und schrecklich war das Bild das sich bot, als die gefundenen Leichen, unkenntlich von Schlamm, Wunden und Todeskampf am Rathaus zur Schau gelegt waren, um von ihren Verwandten identifiziert zu werden.

Noch viele Jahrzehnte lang wurde an das schreckliche Naturereignis am 9. Mai 1760 gedacht. Die Dorfbewohner begingen den Gedenktag mit Bußgottesdiensten.

Martin Fölix, Ortsbürgermeister